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Prostatagesundheit und Mikronährstoffe: Ein Überblick

Die Prostata bleibt für viele Männer ein blinder Fleck im Gesundheitsbewusstsein. Was die Forschung zu Mikronährstoffen und Pflanzenstoffen rund um die Männergesundheit zeigt – und was nicht.

Die Prostata ist eines der Organe, das viele Männer erst dann wirklich beachten, wenn etwas nicht stimmt. Dabei lohnt sich der Blick deutlich früher: Mit zunehmendem Alter neigt sie zu Veränderungen, die sich anfangs unauffällig bemerkbar machen und später die Lebensqualität spürbar beeinflussen können. Welche Rolle spielen Mikronährstoffe und Pflanzenstoffe? Und was lässt sich aus der aktuellen Studienlage sachlich ableiten?

Die Prostata: kleine Drüse, große Bedeutung

Die Prostata sitzt unterhalb der Harnblase, umschließt die Harnröhre und produziert einen Teil der Samenflüssigkeit. Beim jungen Mann ist sie etwa walnussgroß. Mit zunehmendem Alter beginnt sie bei vielen Männern zu wachsen — ein Prozess, der als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet wird. Bei der Mehrzahl der Männer ab 60 Jahren lassen sich histologisch Zeichen einer BPH nachweisen; ab 80 Jahren betrifft das die überwiegende Mehrheit. BPH ist damit eher eine altersassoziierte Normvariante als ein Ausnahmebefund.

Typische Symptome treten häufig erst mit einigen Jahren Verzögerung auf: ein abgeschwächter Harnstrahl, häufigerer Harndrang, nächtliches Wasserlassen (Nykturie) und das Gefühl unvollständiger Blasenentleerung. Wichtig zur Einordnung: BPH ist eine gutartige Veränderung — sie ist nicht mit Prostatakrebs gleichzusetzen. Prostatakrebs ist allerdings die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland (Robert Koch-Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten). Die gesetzliche Krebsfrüherkennung ab 45 Jahren ist deshalb kein Zufall.

Mikronährstoffe mit zugelassenen EU-Aussagen: Zink und Selen

Für Nahrungsergänzungsmittel gilt in der EU ein strenger Rahmen: Gesundheitsbezogene Aussagen sind nur dann zulässig, wenn sie nach der Health-Claims-Verordnung (VO (EG) Nr. 1924/2006) offiziell freigegeben wurden. Für Pflanzenextrakte existieren aktuell keine solchen Aussagen; für die beiden Spurenelemente Zink und Selen hingegen schon — und sie sind für die Männergesundheit besonders relevant.

Zink ist für Männer von besonderer Bedeutung, weil die Prostata zu den zinkreichsten Organen des menschlichen Körpers gehört. Zugelassen sind folgende Aussagen: Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei sowie zu einer normalen Fruchtbarkeit und Reproduktion. Der DGE-Referenzwert für die tägliche Zinkzufuhr liegt für erwachsene Männer bei 11–16 mg pro Tag (je nach Phytatgehalt der Ernährung). Bei stark pflanzenbasierter Ernährung mit hohem Phytatgehalt kann die Bioverfügbarkeit reduziert sein.

Selen ist als Spurenelement Bestandteil verschiedener Selenoproteine, darunter die Glutathionperoxidase als Teil des antioxidativen Schutzsystems. Zugelassen ist folgende Aussage: Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei. Der DGE-Referenzwert für die tägliche Selenzufuhr liegt für erwachsene Männer bei 70 µg pro Tag. Die Versorgungslage in Mitteleuropa ist tendenziell knapp, weil die Selen-Gehalte mitteleuropäischer Böden im internationalen Vergleich niedrig sind.

Pflanzenextrakte mit traditioneller Anwendung

Mehrere Pflanzenextrakte werden in der naturheilkundlichen Tradition mit der Männergesundheit in Verbindung gebracht. Vier davon stehen besonders im Fokus:

Sägepalme (Serenoa repens) ist der weltweit am häufigsten verwendete pflanzliche Extrakt im Bereich der Männergesundheit. Die Frucht der nordamerikanischen Zwergpalme wurde traditionell von indigenen Völkern Floridas genutzt und ist seit dem späten 19. Jahrhundert auch in der europäischen Phytotherapie etabliert. In Deutschland und mehreren europäischen Ländern sind standardisierte Sägepalmen-Extrakte sowohl als Arzneimittel (z. B. Permixon) als auch als Nahrungsergänzungsmittel verbreitet. Charakteristisch ist die fettlösliche Wirkstoffgruppe aus freien Fettsäuren und Phytosterolen (insbesondere β-Sitosterol), die für die Standardisierung der Extrakte als Leitmarker dient. Im HMPC der EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) ist Sägepalme als traditional use gelistet.

Kürbiskern (Cucurbita pepo) wird in der Phytotherapie traditionell bei Reizblase und milden Miktionsbeschwerden eingesetzt. Vahlensieck et al. (2015, Urologia Internationalis, DOI: 10.1159/000362903) untersuchten in einer randomisierten Studie an Männern mit BPH-Symptomen einen Kürbissamen-Extrakt über 12 Monate und beobachteten eine signifikante Verbesserung des International Prostate Symptom Score (IPSS) gegenüber Placebo. Die Mechanismen werden auf Phytosterole (insbesondere β-Sitosterol) und ungesättigte Fettsäuren zurückgeführt — ein direkter Wirknachweis im mechanistischen Sinn ist allerdings nicht erbracht.

Brennnesselwurzel (Urtica dioica) ist als phytotherapeutische Anwendung bei BPH-Symptomen im HMPC der EMA als traditional use gelistet. In der naturheilkundlichen Praxis wird sie häufig in Kombination mit Sägepalme eingesetzt. Vorgeschlagene Mechanismen umfassen eine Bindung an das Sex-Hormon-bindende Globulin (SHBG) sowie milde antientzündliche Effekte. Die klinische Datenlage stammt überwiegend aus älteren Kombinationsstudien mit Sägepalme; saubere Wirknachweise für die Brennnesselwurzel allein sind begrenzt.

Granatapfelschalen-Extrakt ist reich an Ellagitanninen, die im Darm zu Urolithinen metabolisiert werden — bioaktive Stoffwechselprodukte, die in den letzten Jahren intensiv erforscht werden. In kleineren Studien wurden im Kontext von Prostatakrebs Hinweise auf eine Verlangsamung des PSA-Anstiegs unter Granatapfelsaft beobachtet; größere placebokontrollierte Folgestudien konnten den Effekt allerdings nicht in gleicher Klarheit replizieren. Die Forschung läuft weiter; ein gesicherter klinischer Effekt liegt nicht vor.

Vorsorge ist nicht ersetzbar

So wichtig Ernährung und Mikronährstoffe sein können — sie ersetzen keine Vorsorgeuntersuchung. Die gesetzliche Krebsfrüherkennung bei Männern ab 45 Jahren umfasst eine Tastuntersuchung der Prostata; der PSA-Wert kann ergänzend nach individueller Beratung bestimmt werden. Bei Symptomen wie häufigem nächtlichem Wasserlassen, abgeschwächtem Harnstrahl, Schmerzen oder Blut im Urin gehört eine ärztliche Abklärung an erste Stelle. Nahrungsergänzungsmittel sollten nie als Ersatz für Diagnostik oder Therapie verstanden werden, sondern als optionale Ergänzung im Rahmen einer informierten Routine.

Fazit

Prostatagesundheit ist kein Thema, das sich auf einen einzelnen Nährstoff oder Extrakt reduzieren lässt. Zink und Selen haben als essenzielle Spurenelemente nachvollziehbare, EU-zugelassene Aussagen für Testosteronspiegel, Fruchtbarkeit und Spermabildung. Pflanzenextrakte wie Sägepalme, Kürbiskern, Brennnesselwurzel und Granatapfelschale haben unterschiedlich starke Studienlagen — von langer traditioneller Anwendungserfahrung bis hin zu klinisch noch nicht eindeutig belegten Effekten. In Summe gilt: Eine pflanzenreiche, mediterrane Ernährung, ausreichend Bewegung, gesundes Körpergewicht und regelmäßige Vorsorge bilden das stabile Fundament. Mikronährstoffe und Pflanzenextrakte können dieses Fundament im Rahmen einer informierten Routine ergänzen — sie ersetzen es aber nicht.

Welche Mikronährstoffe sind für Männer ab 50 besonders relevant?

Eine generelle Antwort wäre unseriös — der individuelle Bedarf hängt von Ernährung, Lebensstil, Vorerkrankungen und Medikation ab. Aus der Studienlage gut belegt sind drei essenzielle Bausteine: Zink (Testosteron, Fruchtbarkeit), Selen (Spermabildung) und Vitamin D (allgemeiner Immun- und Knochenstoffwechsel). Bei pflanzenbasierter Ernährung kann zusätzlich Vitamin B12 ein Thema sein. Eine Bedarfsbestimmung durch Bluttests beim Hausarzt ist die beste Grundlage für gezielte Supplementierung — pauschale Hochdosis-Cocktails sind selten sinnvoll.

Sollten Männer ab 50 grundsätzlich ein Prostata-Präparat einnehmen?

Nein — eine pauschale Empfehlung gibt es nicht und wäre auch nicht haltbar. Sinnvoll ist es, sich zunächst um die Lebensstil-Grundlagen zu kümmern (Bewegung, Ernährung, Gewicht) und parallel die altersgerechte Vorsorgeuntersuchung wahrzunehmen. Pflanzenextrakte und Mikronährstoffe können bei Männern mit individuellen Beschwerden oder Bedarfsdefiziten ergänzend zum Einsatz kommen — am besten in Abstimmung mit dem Urologen oder Hausarzt, der auch andere Ursachen ausschließt.

Wirkt Sägepalme wirklich gegen Prostatabeschwerden?

Eine solche Wirkungsaussage ist für Nahrungsergänzungsmittel nicht zulässig. Sägepalme bleibt ein traditionell verwendeter Extrakt mit jahrzehntelanger Anwendungserfahrung — klinische Wirksamkeitsversprechen sind aber nicht gedeckt.

Wann sollte ich mit Prostata-Beschwerden zum Arzt?

Frühzeitig — und nicht erst, wenn die Beschwerden den Alltag stark einschränken. Typische Anlässe für eine urologische Abklärung sind: häufiger oder dringender Harndrang, nächtliches Wasserlassen mehr als ein- bis zweimal pro Nacht, abgeschwächter Harnstrahl, Schmerzen beim Wasserlassen, Restharngefühl nach Toilettengang oder Blut im Urin. Männer ab 45 Jahren sollten zudem die gesetzliche Krebsfrüherkennung in Anspruch nehmen, auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Nahrungsergänzungsmittel sind in jeder Situation eine optionale Ergänzung, niemals ein Ersatz für ärztliche Abklärung.

Quellenverzeichnis

  1. Robert Koch-Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten: Krebs in Deutschland, häufigste Krebserkrankungen bei Männern. krebsdaten.de
  2. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, sogenannte Health-Claims-Verordnung.
  3. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben, unter anderem Zink für Testosteronspiegel, Fruchtbarkeit und Reproduktion sowie Selen für die Spermabildung.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr Zink. dge.de
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr Selen. dge.de
  6. European Medicines Agency, HMPC: European Union herbal monograph on Serenoa repens, fructus. ema.europa.eu
  7. European Medicines Agency, HMPC: European Union herbal monograph on Urtica dioica, radix. ema.europa.eu
  8. Vahlensieck W, Theurer C, Pfitzer E, Patz B, Banik N, Engelmann U: Effects of pumpkin seed in men with lower urinary tract symptoms due to benign prostatic hyperplasia in the one-year, randomized, placebo-controlled GRANU study. Urologia Internationalis 2015; 94(3): 286–295. DOI: 10.1159/000362903
  9. Gemeinsamer Bundesausschuss: Krebsfrüherkennungs-Richtlinie, Tastuntersuchung der Prostata für Männer ab 45 Jahren. g-ba.de

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